„Frieden, Freiheit, Freundschaft“- Projekt „Wir sind Europa!“

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„Menschen brauchen Gedenken – Gedenken braucht Menschen.“- über fünf Jahre Friedensarbeit

Foto Großvater und Enkel auf dem Friedhof von Douaumont 2019 – ©Lars-Limbach

Verdun 2014. Grabsteine bis zum Horizont unter einem europablauen Himmel. Nachts beschienen durch die gelben Sterne der Hoffnung. Hände werden zur Versöhnung gereicht – Freundschaft.
Brauchte es Krieg, um den Frieden zu schätzen? Untrennbar haben die
einstigen Feinde hier die letzte gemeinsame Ruhe gefunden.
Eine Ruhe, die uns laut in die Ohren schreien will:
Habt ein besseres Gedächtnis! Jeden Tag! Für eure Zukunft!
Unter dem gleichen Himmel, unter der gleichen Sonne,
unter den gleichen Sternen.

Über 100 Jahre später – nach dem Ende des 1. Weltkrieges – sind wir mehr denn je verpflichtet, nachhaltig an diese Zeiten der Grausamkeit und deren Opfer zu erinnern und das Gedenken wach zu halten. Zwei furchtbare Weltkriege und die Verbrechen des Nationalsozialismus verpflichten jeden täglich neu für ein friedliches, freies und offenes Europa einzustehen, gegen aktuelle Hetze, antidemokratisches Gedankengut, Antisemitismus und Rassismus! Jeder hat das Recht auf  Frieden, Freiheit und Freundschaft.

Die Initialzündung unserer Arbeit lag in der  Studienfahrt nach Verdun 2014. Tief beeindruckt kehrten wir heim, den Kopf voll von Bildern, die auch nach 100 Jahren 1. Weltkrieg immer noch nachhaltig bewegen. Eine Arbeitsgemeinschaft bildete sich und die Gedenkfeier der Stadt Daaden zum Volkstrauertag 2014 bot sich an, unsere Eindrücke nach außen zu tragen. Die Gestaltung dieses wichtigen Gedenktages gehört seitdem zur Tradition unserer Schule. Die Umsetzung einer „Verdunausstellung“ folgte innerhalb von zwei Jahren und erweckte die Geschichten hinter der Geschichte mit Schicksalen, Briefen, erläuternden Texten, Modellen und einem begehbaren Schützengraben zum Leben. Am 12.04.2016 öffnete die Ausstellung „Habt ein besseres Gedächtnis – Verdun vom Schlachtfeld zur Versöhnung“ auf 125 Quadratmetern ihre Tore im „Filmraum“ der Daadener Schule. Während der von Schülern durchgeführten Führungen kamen diese mit zahlreichen der rund 3000 Besuchern, Jung und Alt, ins Gespräch. Ebenso standen der Blick in die heutige Zeit, das Thema Europa, die Flüchtlingshilfe und die deutsch-französische Freundschaft im Mittelpunkt. Letztere pflegt unsere Schule über den Schüleraustausch Fonteney-le-Fleury  bereits seit mehr als 25 Jahren. Besondere Begegnungen und Momente gemeinsamen Gedenkens und gemeinsamer Freundschaft stellten die beiden „deutsch-französische Schülerzeitungsseminare Trier-Verdun“ dar. Ebenso der Besuch in Ypern und dem OPCW in Den Haag hinterließen ihren Eindruck. 

Nach zwei Jahren hatten die  Gründer der Arbeitsgemeinschaft eine neue Art der Gedenk- und Friedensarbeit an unserer Schule ins Leben gerufen. Mit ihrem Abschluss und dem damit verbundenen Verlassen des Lernortes endete diese aber nicht, denn der Funke war längst übergesprungen. So wurde die „Fackel“ an die Nachfolger weitergereicht, die ihrerseits neue Akzente setzten. Sie entwarfen 2016 das „Mobiles DENK-MAL“ welches am folgenden Volkstrauertag selbst zum Motto „DENK MAL – heute ist Volkstrauertag“ wurde. 2017 wurde es in den europäischen Farben umgestaltet und war an unserem Messestand am 12. Demokratietag im Mainzer ZDF  ein Treffpunkt des europäischen Gedankenaustausches. 2018 entschied man sich zum Guss der schuleigenen Friedensglocke, die am 21.09.2018 am internationalen Friedensläuten (Tag des Friedens) im Beisein des SWR ( s. auch Rückblick 2020 ) eingeweiht wurde. Die Glockenzier fasst den Grundsatz der Arbeitsgemeinschaft-Friedenserziehung-Geschichte sicht- und hörbar zusammen: „Ich läute für: Frieden – Freiheit – Freundschaft.“

Eine besondere Begegnung zwischen den Vorgängern und Nachfolgern gab  es bei der Wiederauflage der Ausstellung: „Habt ein besseres Gedächtnis! – Verdun vom Schlachtfeld zur Versöhnung“ 2018 im „Haus der Geschichte“ in Betzdorf. Diese nachhaltige Teamarbeit verband die Jugendlichen noch einmal besonders.

Seit Frühjahr 2019 ist unsere Friedensglocke mobil und begleitete uns zum KZ-Sammellager Breendonk, nach Flandern, nach Langemarck und Vladslo. Sie wurde nach einer kurzen Andacht an diesen geschichtsträchtigen Stätten dreimal geläutet, gefolgt von einer Stille des Gedenkens. Immer wenn die große Friedensglocke an einem Gedenkort war, wurde einem Vertreter dieser Stätte eine „kleine Schwester“ verliehen. So hallt der Besuch immer noch nach und Erinnert daran zu läuten, wenn „Frieden-Freiheit und Freundschaft“ in Gefahr sind. Die „kleine Schwester“ wurde bereits dem OPCW in den Haag, Nuisa Horowitz (eine der letzten Überlebenden von Schindlers Liste) in Oswicim, Polen, Frau Dr. Stefanie Hubig (Bildungsministerin RLP), Herrn Eberhard Dittus (Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt a.d.W.), Ulrike Dittrich (Schlossmanagerin Hambacher Schloss), den Trägern der Initiative „Austausch macht Schule“  und der griechischen Dokumentarfilmerin Vicky Averlaki verliehen.

Am 16.08.2019 fand in Verdun die feierliche Übergabe der Friedensglocke an die nächste Schülergeneration vor dem Beinhaus statt. Hier hatte 2014 alles begonnen.

Auf dem 14. Demokratietag 2019 konnte man nicht nur viele Kontakte knüpfen, sondern bekam auch Einladungen zum Friedensläuten an andere Orte. Das Jahr 2019 schloss mit dem Besuch unserer Bildungsministerin, Frau Dr. Hubig, die sich als Thema die Arbeit der AG-Friedenserziehung-Geschichte (2014-2019) gewählt hatte. Der Besuch wurde für die Schulgemeinschaft zu einem kleinen Fest der Demokratie und eines freien Europas.
Der Januar 2020 war von vielen neuen Erfahrungen geprägt. Eingeladen von unserer Bildungsministerin, Frau Dr. Hubig, läutete unsere Arbeitsgemeinschaft vor dem Bundesratsgebäude in Berlin ihre Amtseinführung als KMK-Präsidentin ein. Stille Gedanken des Gedenkens konnten von den Teilnehmern an der Holocaust Gedenkstätte in Worte gefasst werden.
Ebenso wurde vor dem Bundeskanzleramt und dem Reichstag für die Weisheit und demokratische Weitsicht aller Politiker geläutet.
Eine besonderer Kontakt zur griechischen Gedenkarbeit entstand durch die Begegnung mit der kretischen Filmemacherin Vicky Arvelaki. In ihrem bewegenden Film „Blumen welken früh – Kakopetros 28.08.1944“ lässt sie überlebende Zeitzeugen des  Massakers zu Wort kommen.
Kurz vor Corona wurde die Arbeitsgemeinschaft von Herrn Ebehard Dittus in die Gedenkstätte für NS-Opfer nach Neustadt an der Weinstraße eingeladen. Unsere Friedensglocke  läutete dort zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. In Neustadt selbst mahnte sie mit der Friedensinitiative und dem Stadtrat vor der atomaren Bewaffnung. Höhepunkt war das Läuten im Herz der deutschen Demokratie vor und im Hambacher Schloss. Hier verweilte die Glocke ganze drei Monate und wurde von Ulrike Dittrich (Schlossmanagerin) und vielen anderen Gästen geläutet. Die nächste Missionen der Friedensglocke sind schon geplant (u. a. nach Kreta, Belgien, Mainz, Osthofen, …), doch müssen sie derzeit wegen Corona ruhen. Dennoch können Sie unsere Glocke auch virtuell läuten:

Wir danken allen, die unsere Arbeit bisher unterstützt und gefördert haben. Ebenso all denen , die uns so freundschaftlich zu sich eingeladen haben, damit wir gemeinsam an vielen wichtigen Orten gedenken konnten.

Auf diese Weise bekamen die Opfer der  Kriege, die Ermordeten und Unterdrückten der Diktaturen, die Flüchtenden und Vertriebenen für kurze Zeit wieder ein Gesicht. Ebenso der Ruf nach Frieden-Freiheit-Freundschaft.

Somit gilt damals wie heute der Satz: „Menschen brauchen Gedenken und Gedenken braucht Menschen!“

 

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